Lovestory II
Mir ging die Geschichte mit Michael wieder durch den Kopf. Angefangen hatte es nachts im dunklen Stadtpark. Ich war seit längerer Zeit ohne festen Freund und war - hmm, wie sage ich es Schwiegermutter-kompatibel - nun, unbefriedigt dürfte es recht treffend beschreiben. Eines Abends also fuhr ich in den Stadtpark, um diesem bedauerlichen Zustand ein Ende zu bereiten. Michael kam ziemlich bald hinter mir her, kurz nachdem ich ankam. Wir beschlossen schnell, zu mir zu fahren. Da wir beim Abschied keine Telefonnummern oder Adressen ausgetauscht hatten, hakte ich den Abend als nettes, aber einmaliges Erlebnis ab und ging am nächsten Morgen unbeschwert zur Uni. Als ich am späten Nachmittag wieder nach Hause kam, sah ich einen roten Golf am Straßenrand parken, genau so einen, wie Michael ihn gefahren hatte. Nun ja, rote Gölfe sind nicht gerade selten, also dachte ich mir nichts dabei und ging weiter zu meiner Haustür. Als ich nach meinem Schlüssel kramte, sah ich im Augenwinkel, wie die Tür vom roten Golf aufging und jemand ausstieg. Ich drehte den Kopf und mir wäre fast das Kinn auf den Boden gefallen - aus diesem Golf stieg doch tatsächlich Michael aus! Er hatte mehr als drei Stunden im Auto vor meiner Tür auf mich gewartet. Na ja, und von da an besuchte er mich regelmäßig, mehrmals in der Woche. Der Sex war beim ersten Mal schon gut, und er wurde besser und besser - der beste Sex, den ich bis dahin je hatte. Und ich lernte Michael auch sonst immer besser kennen und fing erst langsam, dann immer schneller an mich in ihn zu verlieben. Nach sechs Wochen war ich so entflammt, dass ein Waldbrand dagegen blass ausgesehen hätte. Und als ich gerade voll entflammt war, kam er immer seltener vorbei, und nach etwas mehr als zwei Wochen rief er dann an um mir zu sagen, dass er nicht mehr in mich verliebt wäre und gar nicht mehr kommen würde. Für mich brach eine Welt zusammen.
Ich fasste die Geschichte für Anna in ein paar kurzen Sätzen zusammen und merkte, dass meine Augen wieder feucht wurden.
»Spielt ihr schon lange Volleyball?«, wechselte Anna das Thema. Dafür hätte ich sie in dem Augenblick küssen können. Noch ein weiterer Gedanke an Michael, und es
hätte aus meinen Augen aufs Tischtuch getropft. Kai schien ebenfalls zu merken, dass wir besser über etwas anderes sprechen sollten und antwortete, er würde seit ein paar Jahren
spielen.
Danach erzählte ich meine Volleyball-Karriere. Angefangen hatte es, als ich 15 war, also vor zehn Jahren. Erst hatte ich in der Schule gespielt, dann im Verein in einer Herren-Mannschaft. Als die anderen krankhaft ehrgeizig wurden und ich einmal einen ganzen Turniertag lang auf der Bank saß, wechselte ich in eine Mixed-Mannschaft. Volleyball spielen machte mir von da an wieder Spaß. Und irgendwann bin ich dann im schwulen Sportverein gelandet - 'meinem' Verein, wie ich ihn selten, dann aber nicht ohne Stolz nenne, schließlich war ich maßgeblich an der Gründung beteiligt: Zwei gute Bekannte von mir erzählten mir unabhängig voneinander, es wäre eigentlich an der Zeit, dass unsere Stadt auch endlich einen schwulen Sportverein bekommen würde. Ich hielt das für eine gute Idee, und da die beiden sich nicht kannten, dachte ich: »Bring die beiden mal zusammen, die machen das dann schon.« So ähnlich kam es dann auch - mit einer entscheidenden Abweichung: Die beiden machten, aber sie waren der Meinung, ich solle gefälligst mitmachen. Und so war ich holterdipolter Gründungsmitglied, Vorstandsmitglied und Kassenwart, Volleyballtrainer und Volleyballspieler in unserem - nein, in meinem Verein geworden.
»Und was macht ihr eigentlich sonst so, außer Volleyball spielen?«, fragte Anna uns neugierig aus. Ich erzählte ihr von meinem Studium, meinem Nebenjob in einem großen Softwarehaus und den Schwierigkeiten, Job und Studium unter einen Hut zu bringen. Auch Kai erzählte von seinem Job als Krankenpfleger an der Uni-Klinik. Ich fragte Anna, was sie macht.
»Ich lerne Köchin«, grinste sie.
»Dann ist es ja kein großes Wunder, dass die Bolognese bei dir besser als überall sonst schmeckt«, grinste ich zurück. »Im
Ernst, du scheinst da wirklich ein Händchen für zu haben. Ich weiß nie, welche Gewürze ich nehmen soll und tue meistens auch noch zu wenig Salz ran. Dann schmeckt alles, was ich koche,
langweilig«, gestand ich ihr....
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